Das nicht perfekte Paradies: Delfinschutz ist Meeres- und Menschenschutz
Auch im Charterparadies Sardinien ist nicht alles perfekt, auch wenn es manchmal so aussieht. Im März 2025 landete ein junges junges weibliches Exemplar eines Delfins (es war ein Großer Tümmler, Tursiops truncatus) von nicht einmal zwei Metern Länge an einem Strand in La Maddalena an.
Das Tier scheint an einem Unfall gestorben zu sein. Abschürfungen am Körper deuten darauf hin, dass es sich möglicherweise in einem Fischernetz verfing und nicht mehr an die Oberfläche aufsteigen konnte.

Fischernetze bestehen aus starken Fäden und können zur tödlichen Falle werden. Denn nur rund „fünf Minuten und länger können Delfine je nach Art für tiefere Tauchgänge unter Wasser bleiben. Normalerweise tauchen sie mehrmals pro Minute auf, um Luft zu holen.“ (Quelle WWF; https://blog.wwf.de/delfine-fakten/)
Dieses Tümmler-Weibchen hat es nicht geschafft. Seine Geschichte wirft natürlich viele Fragen zum Einfluss des Menschen – und im Besonderen der Fischerei – auf das marine Ökosystem auf.
Dieser Delfin ist nicht der erste Meeressäuger, der an sardischen Küsten anlandet und die Menschen schockiert – wohl, weil sie es an einem solch perfekten Ort eben nicht erwarten.
Auf meinem Blog habe ich über den Pottwal in der Cala Romantica an der Costa Smeralda berichtet, der an zu viel Plastik im Bauch starb:
Die gemeinnützige Organisation SeaMe mit Sitz in La Maddalena hat ein paar Dinge über den großen Tümmler und andere Meeressäuger veröffentlicht, die ich hier wiedergeben darf – und was uns Seglern und Meeressportlern vielleicht ein bisschen hilft, sie zu verstehen. Der nachfolgende Text ist aus dem Italienischen übersetzt:
Der Große Tümmler ist eine geschützte Art, und wie alle geschützten Arten ist er dies nicht nur wegen seiner besonderen ökologischen Bedeutung. Er ist eine in den Küstengewässern recht häufig vorkommende Art und inzwischen auch ein Symbol für Sardinien, wie für viele Gebiete, in denen er lebt.
Warum ist es wichtig, den Großen Tümmler und alle Wale zu schützen?
Delfine, Wale und alle Wale sind nicht nur faszinierende Tiere: Sie sind entscheidend für die Gesundheit der Meere und das Wohlergehen unseres Planeten und somit auch für unsere eigene Gesundheit und unser Wohlergehen, denn:
- Sie halten das Gleichgewicht der marinen Ökosysteme aufrecht: Als Raubtiere an der Spitze der Nahrungskette regulieren sie die Populationen von Fischen und anderen Meeresorganismen und das reibungslose Funktionieren aller Ökosysteme.
- Sie sind Indikatoren für die Gesundheit des Meeres: Wenn sie krank sind, ist das ein Alarmsignal für die gesamte Umwelt!
- Sie haben einen enormen wissenschaftlichen Wert: Ihr Studium hilft uns, die Intelligenz der Tiere, die Kommunikation und sogar unsere eigene Biologie zu verstehen.
- Sie sind fühlende Wesen: sozial, intelligent, mit komplexen Kulturen. Sie zu kennen bedeutet, unsere Kultur zu bereichern und damit auch unser Verständnis der Welt, in der wir leben, die keine digitale Welt ist, sondern eine reale Welt, mit der wir im Gleichgewicht sein müssen, wenn wir überleben wollen.
- Sie helfen der lokalen Wirtschaft: Verantwortungsvolle Wal- und Delfinbeobachtung und verantwortungsvoller Tourismus bringen Wohlstand auf nachhaltige Weise, mit Formen des Tourismus, die dazu beitragen, die Umwelt perspektivisch und langfristig zu erhalten.
Was können wir tun?
Dazu müssen wir uns zunächst anschauen, welche Faktoren die Tümmler (und andere Delfin- und Walarten) bedrohen.
Die größten Bedrohungen sind:
- Chemische Verschmutzung und Bioakkumulation. Wale und Delfine akkumulieren hohe Konzentrationen von PCB, Quecksilber und anderen chemischen Schadstoffen in ihrem Gewebe, auch durch die Aufnahme von Kunststoffen (direkt oder indirekt über die Beutetiere). Diese Stoffe können langfristig ihre Gesundheit beeinträchtigen.
- Beifang. Große Tümmler sind häufig Opfer von unbeabsichtigten Fängen in Fanggeräten (Netze, Leinen). Diese Interaktionen können zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod durch Ertrinken führen.
- Lärmbelästigung und Kollisionsgefahr. Der Schiffsverkehr, einschließlich des Freizeitverkehrs, insbesondere in der Touristensaison, kann ihr natürliches Verhalten stören. Die starke Präsenz von Booten, Jetskis und Jachten in den Küstengebieten kann Stress verursachen (z. B. durch die Verhinderung der Kommunikation), ihr Fressverhalten verändern und das Risiko von Zusammenstößen erhöhen.
- Lebensraumverlust. Die Zementierung der Küsten, der Massentourismus und die Küstenverschmutzung verringern die Gebiete, die sich für die Aufzucht, Fütterung und Vergesellschaftung der Großen Tümmler eignen.
- Klimawandel. Die Erwärmung der Gewässer, veränderte Meeresströmungen und die Einführung fremder Arten verändern die Verteilung der Beutetiere und zwingen die Großen Tümmler, sich an neue ökologische Szenarien anzupassen. Dies kann den Zugang zu Nahrung einschränken und den Stress erhöhen.
Große Tümmler in den Gewässern eines Parks zu haben, ist ein unglaublicher Gewinn, aber sie müssen geschützt werden!
Der Schutz der Wale und Delfine bedeutet den Schutz des Meeres. Und der Schutz des Meeres bedeutet auch unseren Schutz.
Wissenschaftliche Überwachung und Sensibilisierung sind für den Schutz dieser Art unerlässlich. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir dafür Mittel einsetzen müssen, und dass diese Mittel keine Geldverschwendung sind, sondern eine Investition in ihre und unsere Gesundheit.
Der Delfin wurde mittlerweile auf das offene Meer gebracht und im Meer versenkt. Das Vorgehen ist durchaus üblich, da der Kadaver auch nach einem natürlichen Tod im biologischen Kreislauf geblieben wäre. An Land belassen, würde er zu einem Gesundheitsproblem für Menschen und andere Tiere werden.
…
Meeresschutz ist nicht nur der angenehme Teil – Segeln – sondern heißt auch, die unangenehmen Dinge zu sehen und noch aufmerksamer zu sein und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Auswrikungen unsere Aktivitäten auf die Meeresfauna und -flora hat.
Wir werfen zwar sicher keine Fischernetze aus, in denen sich Delfine verfangen und verenden können. Wir können hingegen darauf achten, dass uns kein Equipment ins Meer fällt und so wenig Plastik und Chemikalien wie möglich zu verwenden und den Lebensraum der Delfine schützen.
Und somit auch unseren eigenen Lebensraum, denn alles hängt zusammen.
Ganz herzlichen Dank!
Quellen:
Texte und Bilder veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von SeaMe.it