Nachhaltig segeln

Ein Wort der Autorin

Nicole Raukamp – Autorin, Kommunikationsberaterin und eigentlich ein schwarzes Schaf …

Wie sich mein schwarzschafig-sardisches Seglerleben gestaltet, liest du hier »

Mein Mitsegler, Mr. Shluck (Chef-Navigator, Head of Important Supplies)
Mr. Shluck – Chef-Navigator, Head of Important Supplies

Folge Mr Shluck gern auf Instagram »

Liebe Segelfreunde,

Sardinien im ganzen Jahr entdecken, besegeln und die Insel in all ihrer Natürlichkeit und Schönheit erleben zu dürfen, ist ein unfassbares Glück, über das ich mich seit vielen Jahren freue und für das ich sehr dankbar bin. Wenn ich sehe, wie gut es der Natur aber ohne uns Menschen „off season“ geht und wie sie sich von der Hauptsaison spürbar erholt, wird mir bewusst, was für eine Verantwortung wir auch als Segler/-innen haben.

Nachhaltig segeln auf Sardinien ist das Thema dieser Seite. Nachhaltigkeit beim Segeln – ist das nicht ein weißer Schimmel? Eine runde Kurve? Also: Ist Segeln nicht per se nachhaltig? Seit ich mein eigenes Boot einem Refit unterzogen habe, weiß ich, dass es das ganz oft nicht ist – allein die Materialien, die zur Instandhaltung von Booten verwendet werden, sind fast durchgängig giftig.

Und: Segler sind zwar näher an der Natur, das macht sie aber nicht automatisch zu Meeresschützern. Im Gegenteil. So manchen ist die langfristige Meeresgesundheit – vor allem im Urlaub – egal. Segler können genauso wie alle anderen Menschen auch unkritisch, unwissend, faul, uneinsichtig, gleichgültig oder ignorant sein.

Gerade Charterurlauber wollen einfach ihren Spaß. Und Sardinien, zuvorderst als Luxus- und Sommerdestination bekannt und genutzt, ist für sie einfach eine coole Location, nicht mehr (und nicht weniger). Den Spaß will ihnen ja auch keiner nehmen. Nur darauf aufmerksam machen, dass Sardinien ein lebendiges und schützenswertes Ökosystem ist.

Für mich bedeutet nachhaltig zu segeln, die Insel nicht nur als „privaten Glücklichmacher zu benutzen” (was sie ohne Zweifel ist), sondern ihr natürliches Gleichgewicht zu erhalten und zu schützen. Und wer länger da ist, kann helfen, es wiederherzustellen – denn an vielen Stellen ist es schon bedroht und verloren. Außerdem: Entdecke Sardiniens Bewohner, Kultur, Künste und Vielfalt – und respektiere die Insel in ihrem Sein.

„Nachhaltig segeln“ heißt für mich:  Ich kümmere mich aktiv um das Ambiente, in dem ich mich bewege. Ich füge mich natürlich ein, hinterlasse keine Spuren, außer den temporären Verwirbelungen im Kielwasser. Der Natur und den Meeresbewohnern schade ich nicht, oder so wenig wie irgend möglich. Und ich helfe mit, die Lage auf diesem Planeten zu verbessern. Angefangen in dem Meer / in den Meeren, auf denen ich segle. Gerade im Mittelmeer, mit seinen besonderen Bedürfnissen als Binnenmeer und einem wertvollen Artenreichtum, sowie viel Infrastruktur und Schiffsverkehr, die die marine Flora und Fauna belasten.

Der „ungebremste“ Mensch ist jedenfalls auf Dauer zu viel für die Natur, und so auch für das Meer und dessen Bewohner.

Gerade im Urlaub scheinen wir zu vergessen, dass wir eigentlich ein Teil der Natur sind und uns nichts von ihr gehört. Zum Schutz des Mittelmeers, das von so vielen menschlichen Einflüssen gebeutelt ist und der hiesigen Arten, die mit unserer Präsenz zu kämpfen haben, möchte ich meinen Beitrag leisten. Lasst uns bewusster mit der Insel und dem Meer umgehen und es bei unserem Segeltörn vor Sardinien so gut es geht, schützen.

Ich finde, es spricht nichts dagegen, sich beim Segelurlaub auch darüber Gedanken zu machen. Hier gibt es handfeste Tipps und Infos, die euch helfen, dem Revier so wenig wie möglich zu schaden und trotzdem viel Freude im Segelurlaub zu haben.

Mein Wunsch: Lassen wir die Natur wann immer möglich in Frieden. Fügen wir uns so natürlich wie möglich ein. Respektieren wir Schutzgebiete, ankern nicht im Seegras, entsorgen wir unseren Müll ordentlich – auch und gerade, wenn andere es nicht tun. Das ist möglich, ohne auf Segelspaß, Genuss und Komfort zu verzichten – ich hab’s probiert 😉

Habt viel Freude beim Segeln rund um Sardinien und bei tollen Landgängen. Segelt nicht an der Insel vorbei – denn Sardinien ist definitiv sehr viel mehr als Meer!

Mein Bordpapagei und ich wünschen euch viel Spaß im nächsten Segelurlaub, immer eine gute Flasche sardischen Weines an Bord und natürlich die berühmte und ganz wichtige Handbreit Wasser unterm Kiel!

Nicole & Mr. Shluck

Projekte auf Sardinien, die ich gern unterstütze

SEAME Sardinia » SEAME steht für Scientific Education and Activities in the Marine Environment – der gemeinnützige Verein mit Sitz in La Maddalena kümmert sich um den Schutz und Erhalt des Meeres und seiner Ressourcen. Insbesondere sorgen sie sich um die Wale und Delfine des Mittelmeers und ihrer Lebensräume, speziell vor Sardinien. Sie organisieren auch Mitmachaktionen und Tage an Bord, um Touristen und Segler für den Meeresschutz zu sensibilisieren. » https://www.seame.it // Möglichkeiten zum Mitmachen: https://www.seame.it/partecipa/

Außerdem gibt es immer wieder Projekte zur Strandsäuberung, z. B. von Zigarettenstummeln oder Plastik. Lokal auf Aushänge achten. Ich unterstütze gern diese Initiative in Cagliari (Aktionen inselweit): https://cleancoastsardinia.org

Auf der Insel Caprera in der Siedlung Stagnali gibt es das CEA – ein Zentrum, das über die Meeresbewohner wie Delfine, Wale und Schildkröten informiert. Ausgestellt ist dort auch das Skelett eines vor Sardinien gestrandeten Wals » Artikel auf meinem Blog.

Ich habe außerdem die Charta Smeralda der One Ocean Foundation des Yacht Club Costa Smeralda unterschrieben.