Sardinien – eine Insel, die keine ist
Sardinien blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Schon in der Antike als strategischer Seeposten bekannt, kam über das Meer eine Reihe von Besatzern und brachte selten Gutes mit. Vor allem die italienischen Seemächte sind den Sarden in schlechter Erinnerung geblieben. Die Enteignungen und Raubzüge im 18. und 19. Jahrhundert führten zu dem Sprichwort: Furat che beniet dae su mare – Ein Dieb ist, wer über das Meer kommt. Von dort hatten die Sarden nichts Gutes zu erwarten.
Umso mehr sind wir Segler heute gefragt, im Einklang mit der Insel, ihrer Natur und ihren Bewohnern zu segeln. Genau das will dieser Online-Segelführer erreichen.
Das ist gar nicht so einfach. Denn obwohl Insulaner, sind die Sarden genau das Gegenteil: keine Segler, keine Navigatoren, kein meerverbundenes Volk. Naja, irgendwie schon. Aber auf eine andere Weise. Während für uns das Meer das Nonplusultra ist, ist es für die Sarden das, was sie von der Welt da draußen trennt.
Die Identität findet sich hinter den hohen Felswänden des Golfo di Orosei und des Supramonte marino – also hat es wenig Sinn, wenn du in Cala Gonone an der Küste hängen bleibst. Sie findet sich rund um die Hänge des Monti Limbara – und eben nicht (oder nur ein gut gemeinter Hauch davon) an der Costa Smeralda. Du erlebst sie in Aggius und Monti – nicht in Porto Cervo oder San Teodoro.
Im Westen und Süden wird es schon spannender. Da finden sich die „Lupi di mare“ – die Seewölfe – am ehesten.
Und das sind die Ziele dieses Segelführers:
- einen umfassenden Einblick in eines der vielseitigsten und schönsten Segelreviere im gesamten Mittelmeer geben
- die Häfen mit dem „echten“ und nicht-nautischen Sardinien und dem Hinterland verbinden
- erzählen, wo genau du das echte Sardinien, das auch mit dem Meer zu tun hat, findest
- vielleicht auch die Sarden auf der ganzen Insel mit dem Meer und denen, die von dort kommen, versöhnen
Diesem Anspruch gerecht zu werden, wird sicher nicht einfach – aber ich geb‘ alles!