Bei einem leichten Tramontana ist auch die Bocche di Bonifacio gut zu segeln.

Tramontana (N) – der kalte Nordwind aus den Bergen

Tramontana leitet sich vom lateinischen „intra montes“ ab und heißt nichts anderes als „über die Berge“ oder auch „zwischen den Bergen“. Mittelmeer-Segler haben Berge als Referenz zur Namensgebung genommen.

Von Norden zu kommend sind nach Süden (wo ja das Mittelmeer / Malta ist) eben Berge im Weg: die Alpen und die Appeninen.

Aus lokaler Sardinien-Sicht ist auch Korsika mit seinen fast 2.500 Meter hohen Bergen nah. Oft sieht man sie von Sardiniens Nordküste aus und an sehr klaren Tagen angeblich sogar vom Monte Limbara (hab ich persönlich noch nicht erlebt, mag aber möglich sein).

Direkt ein kleines Kuriosum: In der Inselmitte, wird in den Dörfern rund um den Gennargentu, auch der Wind, der über diese Bergkette herabkommt, Tramontana genannt – dabei ist egal, aus welcher Richtung und durch welches Tal. Auch dort ist es dann eher kalt.

TRAMONTANA ~ Nord / North (N 0°)

In anderen italienischen Regionen wird der Tramontana auch „Settentrione“ (grob übersetzt „der Nördliche“) oder „Mezzanotte” genannt. Letzteres, weil die Sonne im Norden nie zu sehen ist. Und im Gegensatz zum „Mezzogiorno“, dem Südwind, zu verstehen.

Der Tramontana ist generell kalt und eher trocken.

Die kalte Luft hat ihren Ursprung oft sogar in Nordeuropa und wird über die Eisgipfel der Alpen herab transportiert (bis alle Gletscher geschmolzen sind, versteht sich).

Dann braucht man auch im Mittelmeer plötzlich eine warme Segeljacke. Wer denkt, auf Sardinien scheint immer die Sonne und alles ist türkisblauschönwarm, wird bei Tramontana definitiv frieren.

Zur Welle lässt sich relativ wenig sagen – der Schwell ist an den seitlichen und an der Südküste ist gering und es finden sich gute Ankerbuchten. Aber auch die Nordküste ist durch Korsikas Landschutz bei leichtem Tramontana noch gut „auszusitzen“.

Bei einem leichten Tramontana ist auch die Bocche di Bonifacio gut zu segeln.
Bei einem leichten Tramontana ist auch die Bocche di Bonifacio gut zu segeln.

Ein echter Nebensaison-Wind

Der Tramontana ist ein Nebensaison-Wind und kommt im Winter relativ häufig vor und in den Sommermonaten eher selten anzutreffen.

Im Frühling/Herbst ist er oft kein „echter“ Nordwind, sondern hängt an einem Genuatief und folgt dessen Isobaren. Oft frischt im ligurischen Meer nochmal auf.

Dann kann der Tramontana auch schlechtes Wetter mitbringen und bis Sardinien Sturmstärke erreichen.

In Ligurien nennt man den Tramontana in Verbindung mit einem Genuatief auch „Tramontana scura“ (mehr dazu auf dieser Seite in italienischer Sprache), weil er einen bedeckten Himmel und damit Regen, manchmal sogar Schnee bis an die ligurische Küste bringt.

Achtet also in der Nebensaison auch gut auf das Wetter zwischen Korsika und Norditalien – es könnte ungemütlich werden.

Kuriositäten zum Tramontana

  • Einheimische nennen die Felsnadel der Cala Goloritzè auch Aguglia a Tramontana, da der Nordwind im Winter häufig direkt auf der Bucht steht. 
  • Leicht widersprüchlich wird es im Golfo di Orosei:
    • In den Gewässern der Bucht Portu Quau liegen Wrackreste des Frachters „Levante“, der in den 1970er Jahren dort bei einem Tramontana-Sturm sank.
    • Die Leute aus Arbatax nennen sie darum auch Cala Tramontana – weil sie direkt dem Nordwind und Wellengang ausgesetzt ist. Soweit so klar.
    • Allerdings wurde von den Fischern aus Cala Gonone auch die Nachbarbucht Portu Pedrosu („steiniger Hafen“) ebenfalls Cala Tramontana genannt – weil sie die einzige Bucht ist, die ihren Fischerbooten bei dem Nordwind einigermaßen Schutz bot, da sie nach Nordosten ausläuft.

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