Scirocco (SE) – gutmütiger Südost mit Saharastaub

Dieser südöstliche Wind kommt aus Richtung des afrikanischen Kontinents, genauer Ägyptens sowie der arabischen Halbinsel. Sein Name soll vom arabischen Wort „shuluq“ kommen, was soviel wie „Mittag“ bedeutet.

SCIROCCO ~ South-East / Süd-Ost / Sud-Est (SE 135°)

Der Scirocco ist grundsätzlich gutmütig und beständig. Auch die Wellen sind recht gleichmäßig, auch wenn sie durchaus prägnant sein können. 

Der Scirocco ist in seinem Ursprungsgebiet sehr warm und eigentlich trocken. Auf seinem Weg in Richtung Italien nimmt er jedoch über dem Mittelmeer viel Feuchtigkeit auf, die sich auf Sardinien in Form von Regen oder Morgentau niederlässt.

Zuweilen sind auch ausgeprägte Schlechtwettergebiete mit ihm verbunden – und regenreiche Phasen in nach Süden und Osten exponierten Küsten nicht selten.

Scirocco in der Nebensaison an der Ostküste bei Olbia: regnerischer, wolkiger Himmel mit unaufgeregter Welle

Im Sommer ist die Feuchtigkeit auf Sardinien dringend nötig und jedes Nass sehr willkommen: Die oft monatelang andauernde Hitze ist eine Herausforderung für Mensch, Tier und Vegetation.

Die schwüle Luft ist anstrengend und tatsächlich kann der Scirocco im Hochsommer darum selbst auf See unerträglich warm sein.

Warm ist relativ …

Die Aussage „warmer Wind“ ist natürlich mit Vorsicht zu genießen: In der Neben- und Nichtsaison, wenn die Lufttemperatur so bei 5 bis 15 Grad liegt, ist auch ein Scirocco durchaus kalt. Also, gefühlt. Er ist aber im Vergleich wärmer als seine nördlichen Windgesellen.

Ein Scirocco ist von Frühling bis Herbst im Segelurlaub aber eigentlich ein Glücksfall. Er birgt selten Überraschungen (außer Regen) und ist bei Seglern vor Sardinien (auf jeden Fall bei mir) beliebt.

Dicker grauer Regenhimmel – auch das gibt’s bei oder nach Scirocco

Es sei denn, das Boot liegt bei einem stürmischeren Scirocco an einem Schwimmsteg in einem nach Ost offenen Hafen. Dann kann die Welle noch so gleichmäßig sein – es wird einfach schwierig aufs Schiff zu kommen, weil es dann doch etwas „tanzt“ … 😉

Die Segelgebiete rund um die Insel (sogar die Bocche di Bonifacio) sind mit einem normalen Scirocco aber regelrecht gemütlich zu segeln.

Die Ostküste Sardiniens ist natürlich etwas ausgesetzter und in den Ankerbuchten kann es etwas wackeln, aber hinter einem Kap oder einer Landzunge geschützt (zum Beispiel bei Capo Comino oder in Lu Impostu durchaus machbar.

Bei 5-10 Knoten ist er eine wahre Freude, unerfahrene Mitsegler ängstigen sich nicht und auch das Material leidet nicht – wie es etwa bei dem ruppigen Maestrale der Fall ist.

Das Meer kann sich in seiner Gegenwart allerdings aufschaukeln, vor allem südlich von Sardinien – wo es auch zu Kreuzseen kommt. Aber ein bisschen Welle schadet ja nicht. 

Besonderheit Saharastaub

Der Scirocco entsteht in einem relativ großen Gebiet über Nordafrika – und nimmt den roten Wüstenstaub vorwiegend aus der Sahara Lybiens mit. Die Sicht ist wegen des hohen Gehalts an Sandpartikeln eher schlecht.

Das gibt zwar einen schönen Himmel, und gegen Abend traumhafte Sonnenuntergänge.

Sonnenuntergang am geschützten Ankerplatz

Aber es hat einen mega Nachteil: Du musst SOFORT Boot und Segel sehr gut putzen und empfindliche Teile abdecken. Der feine Staub setzt sich überall hinein.

Regnet es auf ein nur aufgetuchtes und nicht abgedecktes Groß, wird dieses von dem Sand (manchmal auch nur von der hohen Luftfeuchtigkeit) ganz blöd fleckig orange verfärbt.

Man kann das anschliessend ein wenig mildern, aber das Zeug ist hundsecht und das Segel sieht einfach nicht mehr schön aus. Lesson learned … 

Typischer Scirocco-Sahara-Himmel gegen Abend: schön, aber putzintensiv … 

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